Bundesamt für Naturschutz

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Anhaltender Verlust der biologischen Vielfalt

Die Zeit drängt!

© Silvia Achtzehn
blühende Palme im Regenwald

Zurzeit schwindet die biologische Vielfalt weltweit in einer Geschwindigkeit, wie sie in der menschlichen Geschichte bisher nicht beobachtet wurde. Die aktuelle Rate des globalen Artensterbens übersteigt die angenommene natürliche Aussterberate um das 100- bis 1.000-fache. Nach Daten der Weltnaturschutzorganisation IUCN sind derzeit weltweit mehr als 17.000 Arten vom Aussterben bedroht, darunter etwa ein Viertel aller Säugetiere, ein Drittel aller Amphibienarten und 12 Prozent der Vogelarten.
Allein zwischen 1970 und 2000 hat die Gesamtzahl der bekannten Arten um 40 Prozent abgenommen.

Bei den Ökosystemen zeigt sich ein ähnliches Bild: Jährlich wird eine Waldfläche von 13 Millionen Hektar zerstört. Karibische Korallenriffe sind bereits zu 80 Prozent zerstört, 35 Prozent aller Mangroven wurden innerhalb der letzten 20 Jahre vernichtet.


Rote Liste, Band 1

Deutschland stellt keine Ausnahme dar, um unsere heimische Natur ist es nicht gut bestellt: Laut der in 2009 veröffentlichten Neufassung der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen gelten 72 Prozent aller Lebensraumtypen als gefährdet oder sogar als akut von Vernichtung bedroht. Von den einheimischen Tierarten Deutschlands sind 28 Prozent, von den Pflanzenarten 26 Prozent bestandsgefährdet.
Einen Überblick über die Gefährdung von Arten und Lebensräumen in Deutschland liefern die  nationalen Roten Listen gefährdeter Arten, Pflanzengesellschaften bzw. Biotope; einen weltweiten Überblick geben die  Roten Listen von IUCN (engisch).


Zu den größten Gefahren für die biologische Vielfalt zählt das immer größer werdende Problem der Zerschneidung und Fragmentierung der Lebensräume (Habitate). Das Thema ist weltweit bedeutend, es gibt Beispiele aus anderen Kontinenten wie die zunehmende Erschließung der tropischen Regenwälder durch Straßen, aber auch ganz deutliche nationale und lokale Bezüge wie Autobahnbau und Zersiedlung der Landschaft etc. Die Auswirkungen der Zerschneidung (isolierte Populationen, erhöhte Aussterbewahrscheinlichkeit, unterbundener Genfluss, geringeres Anpassungsvermögen an sich ändernde Klimabedingungen etc.) werden durch den Klimawandel zusätzlich verschärft.

Als wichtige Maßnahmen gegen Habitatfragmentierung und Klimawandel sollten einerseits Schutzgebietsflächen erweitert werden und andererseits Korridore und Trittsteinhabitate, die als Verbindungselemente fungieren und Ausweich- und Wanderungsbewegungen ermöglichen, geschützt oder geschaffen werden. Dazu zählen z.B. die Erhaltung von großflächig unzerschnittenen Räumen und das Biotopverbundsystem. Heute wird in diesem Zusammenhang auch gern von "Green Infrastructure" geredet. Zudem sollte die "Normallandschaft" durchlässiger werden, das heißt, die Bedingungen in agrarisch- oder forstwirtschaftlich genutzten Gebieten sollten so gestaltet sein, dass solche Arealveränderungen möglich sind (das Selbe gilt natürlich auch für Gewässer).

 


Ausgestorbene Prominente

Im Dezember 2006: Chinesischer Flussdelfin (Baiji)
Der chinesische Flussdelfin ist wahrscheinlich als erste Walart (Flussdelfine gehören zu den Zahnwalen) ausgestorben; Fossilienfunde zeigen, dass der fast blinde chinesische Flussdelfin den Jangtse schon vor 20.000 Jahren besiedelt hat. Der Mensch hat ihm den Lebensraum genommen. Verschmutzung, Überfischung und Verletzungen durch Schiffschrauben drängten den Baiji immer mehr zurück. Das letzte Exemplar wurde im September 2004 gesichtet.

Im Jahr 2000: Pyrenäen-Steinbock (Pyrenean Ibex)
Vor ein paar hundert Jahren war der Pyrenäen-Steinbock überall in Spanien verbreitet. Jedoch wurde die Anzahl der Tiere Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund von massiver Bejagung auf weniger als 100 Tiere reduziert, so dass sie der Ausrottung nahe waren. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs die Population nie über über 40 Exemplare hinaus. 1981 waren es bereits nur noch 30 Tiere, 1990 schließlich noch 10 Individuen und das letzte Tier dieser Gruppe starb im Jahre 1999.

Vermutlich um 1970: Kaspischer Tiger
Ursprünglich war der Kaspische Tiger weit über Westasien verbreitet. Er kam von der Mongolei und Südrußland über Westchina, die zentralasiatischen ehemaligen Sowjetrepubliken, Kaukasien und Transkaukasien bis Kleinasien, Afghanistan, Persien und Mesopotamien vor. Durch heftige Nachstellungen, Lebensraumverluste sowie durch die Bestandsabnahme seiner Hauptbeutetiere wurde der Kaspische Tiger vor allem im 20. Jahrhundert immer seltener und verschwand aus den meisten Gebieten. Wann der letzte Kaspische Tiger starb, ist nicht genau bekannt. Meist werden die 1970er Jahre als Zeitpunkt für das Aussterben der Art genannt.

Aktuelles Aussterben in Deutschland:
22 Wirbeltierarten sind im 20. Jahrhundert in Deutschland ausgestorben oder verschollen. Nur die Brutvögel, Säugetiere und Süßwasserfische weisen ausgestorbene oder verschollene Arten auf. Zu diesen Arten gehören u. a. die Langflügelfledermaus (Miniopterus schreibersii), die Bayerische Kleinwühlmaus (Microtus bavaricus), die Blauracke (Coracias garrulus), der Schwarzstirnwürger (Lanius minor), der Atlantische Stör (Acipenser sturio) und der Bodensee-
Kilch (Coregonus gutturosus).

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