Bundesamt für Naturschutz

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Stadt und Natur

Natur in der Stadt – vielfältige Lebensstätte

© Stephan Wortmann
Storch nistet auf einem Kabelmast

Städte sind Lebens-, Arbeits- und Erholungsraum des Menschen und zugleich auch Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. In Deutschland leben heute schon über 80 % der Bevölkerung in Städten und Ballungsräumen. Mehr Natur in der Stadt führt zu einer größeren Lebensqualität. Sie bietet ein gesünderes Arbeits- und Wohnumfeld sowie ausreichend Erholung für alle. Für Kinder garantiert Natur in der Stadt vielfältige Spiel- und Naturerfahrungsmöglichkeiten. Nicht zu letzt sichert Natur in der Stadt gleichzeitig die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren sowie den natürlichen Wasserkreislauf und die Sauerstoffproduktion.
Aber nicht nur Park- und Grünanlagen, Fassadengrün oder Wasserflächen bieten Natur in der Stadt. An anderen Stellen kann man ebenfalls Stadtnatur entdecken, die wichtig für die menschliche Lebensqualität ist, wenn auch nicht immer so offensichtlich wie bei Flächen, die für Erholungs- und Freizeitaktivitäten angelegt wurden.


Beispiel: Stadtwälder …

© Stephan Wortmann
Teich in einem Stadtwald

… sind wertvolle Rückzugsräume für eine Vielzahl von Tierarten und Lebensraum besonders geschützter Pflanzen. Gleichzeitig übernehmen Stadtwälder eine Reihe von ökologischen Ausgleichsfunktionen wie die Verbesserung von Luft- und Klimawerten sowie die Wasserspeicherung über das Wurzelsystem der Pflanzen. Der Mensch nutzt die Stadtwälder für viele verschiedene Freizeitaktivitäten: Wandern, Joggen, Radfahren, Reiten, Picknick und vieles mehr.
Hier ist besonders die Kreativität und Kooperation von Forst- und Naturschutzverwaltung gefragt, um alle Anforderungen in Einklang zu bringen.


Beispiel: Städtische Brachflächen …

… sind häufig sehr artenreich und haben ein kleinräumiges Mosaik unterschiedlicher Biotope und Standortverhältnisse. Sie sind eine kostengünstige Alternative zum Intensivgrün in den Städten. Ähnlich Naturerfahrungsräumen bieten sie vor allem Kindern und Jugendlichen eine Vielzahl von Berührungsmöglichkeiten mit der Natur. Hier können sie Natur erleben, wodurch die Entwicklung der Kinder positiv beeinflusst wird, da alle Sinne angesprochen werden und die Phantasie gefordert wird. Brachflächen sollten daher in den Städten Bestandteil der Grünstrukturen bleiben.


Beispiel: Stadtbäume und Alleen

© Stephan Wortmann
Stadtbäume in einer Parkanlage

Jeder Baum, jede Allee am Straßenrand ist ein wichtiger Teil des Stadtbildes und verbessert nachhaltig das Stadtklima durch Sauerstoffproduktion, Kohlendioxid- und Staubbindung sowie das Spenden von Schatten. Das ständige Verdunsten von Wasser führt zu einer höheren Luftfeuchtigkeit und somit zu einer angenehmeren und gesünderen Stadtluft. Ein Stadtbaum kann aber noch mehr: Er bremst den Wind, dämpft den Schall, hält mit seinen Wurzeln den Boden und schützt so vor Erosion. Außerdem hat er eine positive Wirkung auf den Grundwasserhaushalt. Für viele Tiere ist er Lebensraum und Nahrungsgrundlage.


Beispiel: Friedhöfe

© Stephan Wortmann
städtischer Friedhof

Friedhöfe haben sich zu wichtigen Lebensstätten für Tiere und Pflanzen in den Städten und Dörfern entwickelt. Friedhöfe sind aber auch Grüne Oasen der Ruhe und des Gedenkens. Gerade in Großstädten werden diese nicht nur von Angehörigen aufgesucht, denn sie bieten mit ihrer Ruhe auch Erholung von Stress und Hektik sowie innere Einkehr. Außerdem dokumentieren diese Kulturstätten Vergangenes, bewahren Zeugnisse früherer Gartenkunst sowie Kunst- und Handwerksformen, und all das untermalt von Natur.


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Beispiel: Klein- und Hausgärten

© Stephan Wortmann
Kleingartenanlage

Wichtige Ausgleichs- und Erholungsfunktionen übernehmen ebenso Kleingärten. Ihre Funktion hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Sie stellen eine typische Form städtischer Erholungsflächen dar und ihre öffentliche Zugänglichkeit bietet nicht nur Kleingärtnern, sondern allen Bewohnern einen Ruhepol in der Stadt. Hier kann man noch alte Obstsorten und historische Kultur- und Zierpflanzen finden.


Naturschutz in der Stadt

© Stephan Wortmann
grasende Ziegen auf einer Grünfläche in der Stadt

Es gibt viele gute Gründe für den Naturschutz außerhalb der Stadt, aber auch für den Naturschutz in der Stadt. In der Stadt dient der Naturschutz und der Erhalt von naturnahen Grün- und Freiraumstrukturen vor allem der Gesundheit und dem Wohlbefinden des Menschen. Beides, sowohl der Naturschutz als auch der Erhalt naturnaher Grün- und Freiraumstrukturen, schafft und erhält die Lebensqualität für uns Menschen und gestaltet dabei die Lebensräume für Tiere und Pflanzen.
Der Schutz von Natur endet nicht an der Stadtgrenze. In der freien Landschaft unterscheidet er sich aber stark von der Großstadt. Andere Rahmenbedingungen spielen eine Rolle und die Ziele formulieren sich oftmals ganz anders. Im Vordergrund steht nicht der Schutz von Arten und Biotopen wie es in der freien Landschaft oft der Fall ist. Die Erholungsvorsorge vor der Haustür des Menschen und der Erhalt der biologischen Vielfalt bilden die Schwerpunkte im besiedelten Bereich. Natürlich gilt es ebenso, einen guten Zustand von Luft, Boden und Wasser zu erhalten. Natur wird also für den Menschen geschützt und deshalb sollte sie auch von ihm geschützt werden. Beteiligung der Bevölkerung an Pflanz-, Pflege-, und Einrichtungsaktionen sind nicht nur wichtig und machen Spaß – sie fördern auch Verständnis und Akzeptanz.


Die hohe Artenzahl in Städten kann und darf kein Ersatz für die Artenvielfalt im naturnahen Raum außerhalb der Bebauung sein. Dort leben andere, wertvolle und seltene Arten. Die Artenzahl darf nicht dazu herhalten, die Flächenverbauung und –versiegelung im städtischen Bereich zu rechtfertigen. Sie hat ausschließlich negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt und auf die Lebensqualität und Gesundheit des Menschen. Städtische Lebensräume sind für Tiere und Pflanzen nur Ersatz für die verloren gegangenen Biotope außerhalb des Siedlungsbereiches. Sie sind aber nicht in der Lage, diesen Verlust wieder auszugleichen.
Dass heißt aber auch, dass der Handlungsraum im besiedelten Bereich für den Naturschutz ein spezifischer ist und hier Ziele verfolgt und Maßnahmen umgesetzt werden, die sich von Naturschutzmaßnahmen im Umland unterscheiden können und sollten. Zu einer intelligenten, nachhaltigen und naturverträglichen Siedlungsentwicklung gehört die umfassende Integration von Anforderungen und Zielen des Naturschutzes wie sie nicht nur das Bundesnaturschutzgesetz, sondern auch das Baugesetzbuch für den Bereich der Bauleitplanung fordert. Gleichzeitig ist es wichtig, eine gemeinsame Strategie und gemeinsame Ziele zu verfolgen. Das System Stadt ist auch heute noch im starken Maße von seinem Umland abhängig, sodass auch Stadt-Umland-Beziehungen bei Konzepten der nachhaltigen, naturverträglichen Siedlungsentwicklung mit zu berücksichtigen sind.

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