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Kanu

Quelle: Natursportinfo, Text: Katrin Staben, Klaus-Peter Zsivanovits & Martina Porzelt & Schweizerischer Kanu-Verband SKV

Kanu-Disziplinen, die ohne ein etabliertes Wettkampfsystem ausgeübt werden:

© Stephan Wortmann
zwei Kanuwanderer im Canadier

Kanuwandern (auch Tourenpaddeln oder Wanderpaddeln). "Kanuwandern ist eine der beliebtesten wassertouristischen Aktivitäten auf deutschen Gewässern", stellt die Grundlagenuntersuchung Wassertourismus in Deutschland fest (DTV, 2003). Mehr als 1,3 Millionen Kanuten fahren jährlich auf den 37.000 km für Kanus geeigneten Gewässern. Das Befahren eines meist ruhigen Gewässers mit einem Kanu wird von mehr als 98 % der Kanuten in Deutschland betrieben. Neben kurzen Strecken werden auch längere Touren unternommen und traditionell in Kombination mit Camping oder über Kanustützpunkte betrieben. Die relativ geringen körperlichen Anforderungen bei einfachen Gewässern führen zu großer Verbreitung. Die Sportart kann auch noch im hohen Alter oder als Familie mit Kindern ausgeübt werden. Beim Kanuwandern wird hauptsächlich auf ruhigen Gewässern gefahren, wodurch diese Kanusportart besonders bei Familien, Naturbegeisterten und auch Anfängern sehr beliebt ist.
Küstenkanuwandern (auch Salzwasser-, See- oder Küstenpaddeln), ist das Kanuwandern auf Großgewässern und wird fast ausschließlich mit Kajaks betrieben. Es erfordert neben Kenntnissen der Navigation die Berücksichtung von Gezeiten und Wetter. Die Anforderungen an körperliche Fitness, Beherrschen von Rettungstechniken und Ausrüstung sind bedeutend höher.
Wildwasserpaddeln hat einen fließenden Übergang zum Wasserwandern und wird auf Wildwasser betrieben. Unterschiedliche Boote können je nach Gewässer und Schwierigkeitsgrad verwendet werden. Dabei ist die genaue Erkundung und Berücksichtigung von Pegelständen erforderlich. Viele Kanuschulen bieten eine Unterweisung an die notwendigen Paddel- und Rettungstechniken an. Diese Gewässer werden zum Teil auch beim Rafting verwendet.

Mögliche Auswirkungen auf die Natur beim Ein- und Aussetzen

© Stephan Wortmann
Kanu treibt über stilles Gewässer

Trittbelastung können zu Schäden des Uferbewuchses, zu Uferabbrüchen bzw. Artenverschiebung sowie Vegetationsverlust im Bereich der Einstiegsstelle führen, wenn landseitig trittempfindliche Biotope in Bereich der Einstiegsstelle vorhanden sind.
Dies kann auch zur Beunruhigung bzw. Vertreibung störempfindlicher Tiere (Unterbrechung der Brut und Nahrungsaufnahme) führen. Erheblich zeigt sich das in der Brutzeit der am Wasserlauf heimischen Vögel (Eisvogel, Wasseramsel, Flussuferläufer etc.). Zur Beschädigung von Röhricht und Unterwasserpflanzen muss man ergänzend sagen, dass Schilfbestände Rückzugsraum für einige Vogelarten darstellen und auch sonst Lebensraum für viele Wirbellose Tiere sind. Wird nur ein Halm dieses Gewächses beschädigt, dringt Wasser in das Wurzelgeflecht ein und die komplette Pflanze stirbt ab.

Mögliche Auswirkungen auf die Natur beim Ein- und Aussetzen

© Stephan Wortmann
zwei Kanus auf ruhigem Fluss

Die Fortbewegung auf dem Wasser kann allein durch die bloße Anwesenheit der Kanuten eine Störung wildlebender Tiere (Fische, Wasservögel, Fischotter) darstellen. Hierdurch werden Stressreaktionen ausgelöst, die abhängig von den jeweiligen Fluchtdistanzen der Tiere sind. Wenn auf einem Gewässer über längere Zeit viele Boote unterwegs sind, kann der Einfluss auf die Tiere stark sein. Potenziell betroffen sind auch Vögel entlang des Gewässers und verschiedenste Tierarten beidseits der Zustiegswege und bei den Zu- und Ausstiegsstellen.
Für Vögel ist ein gleichmäßiges, ruhiges Vorbeifahren von einzelnen Booten kaum problematisch, gehäuftes und lautes Auftreten kann bei Arten, die ihr Nest im Uferbereich haben, zu längeren Unterbrechungen bei der Fütterung der Jungen führen. Wenn Wassersportler Kiesinseln oder Kiesbänke betreten, auf denen sich Gelege befinden, können sie die getarnten Eier oder geschlüpfte Junge zertreten (Ingold 2005).
Die Zerstörung der Fischlaichplätze im Kiesbett können durch mechanische Belastung der Gewässersohle (Grundberührung durch das Boot oder die Stechpaddel) oder durch Sedimentaufwirbelung (Schlammbänke und Feinsand) verursacht werden. Dies geschieht häufig in flachen Gewässern und an exponierten Stellen.

Die steigende Zahl von nicht organisierten und unausgebildeten Kanusportlern kann durch weitere starke Zunahme an Kanuverleihern und -vermietern zu einer Ausweitung des Problems führen, wenn keine aufklärenden Maßnahmen eingeleitet werden. Es wäre sinnvoll, wenn Informationen und Anleitungen zum Natur- und Gewässerschutz nicht nur von den großen Vereinen und Verbänden in Umlauf gebracht würden, sondern sich auch die Kanuverleiher und -vermieter an der Aufklärung beteiligen würden.

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